Nach zwei Jahren Harz IV, hatten wir endlich genug von den ständigen Bewerbungsabsagen, entweder zu Alt (Baujahr 1964) oder überqualifiziert. Trotz meinen Abschluss als Diplom Werbe- und Grafikdesigner, Fachpersonal im Sicherheitswesen und Gesellenbrief als Maler, erhielt ich keine Arbeit. Viele Firmen halten es nicht einmal für nötig, die Bewerbung zurück zu senden. Wissen sie denn nicht, wie viel Geld dies für einen Arbeitlosen bedeutet. Man könnte die zurück gesendete Bewerbung für eine andere Firma verwenden. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen, ich liebe das Land und die Menschen in Deutschland, aber nicht was die Politiker daraus gemacht haben. Ich habe acht Jahre als Fallschirmjäger gedient und in so manchem Krisengebiet der Erde meinen Kopf hingehalten und als Dank wird man fallen gelassen. Jeder Mensch kann bestimmt seine eigene Geschichte über die wirtschaftliche und soziale Notlage in Deutschland erzählen. Jedenfalls hatten wir genug davon und suchten einen anderen Ausweg, um den Teufelskreis zu entrinnen.
| Forscher geben Sarrazin Mitschuld an Abwanderung in Kooperation mit Spiegel Online Mieses Zeugnis für die deutsche Politik: Deutschland wird für ausländische Fachkräfte immer unattraktiver - zugleich wandern qualifizierte Nachwuchskräfte aus, glaubt der Sachverständigenrat für Integration. Schuld daran sei auch Thilo Sarrazin. Lesen Sie hier weiter (PDF-Datei). |
Gegenüber meiner Familie habe ich eine Verantwortung und so entschlossen wir im Februar 2007 auszuwandern. Da ich auch amerikanischer Staatsbürger bin, wählte ich Hawaii, doch die weibliche Obermacht gewann und somit stand Norwegen fest. Wir wollten nicht einfach ins kalte Wasser springen und fingen an Informationen über das Land ein zuholen, norwegisch zu lernen und Bewerbungen zu übersetzen. In Juli 2007 bewarb ich mich endlich und innerhalb von 10 Stunden bekam ich 5 Angebote. Am 03.09.2007 begann ich die Arbeit als Maler in Bergen. Innerhalb der 3 Monate Probezeit lebte ich spartanisch, sparte Geld und bereitete die Ankunft meiner Familie vor. Am 05.12.2007 traf endlich Manuela, Massimo, Reneé-Ann, Pacco (Hund) und Tajka (Katze) ein. Mai 2008 fing meine Lebensgefährtin bei uns in der Firma als Sommerjobber an und Ende Januar 2009 folgte mein Sohn Jason nach Norwegen.
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Arbeit: Das Land hat soviel Arbeit, aber keine Arbeiter. Trotz der vielen Arbeit, lassen sich die norwegischen Arbeiter nicht aus der Ruhe bringen. Hier schätzen die Firmen noch ihre Arbeiter, so werden oft Betriebsfeste gefeiert und unsere Firma zahlt einmal im Jahr für seine Angestellten einen 3tägigen Urlaub außerhalb von Norwegen. Des Weiteren bekommen die Arbeitnehmer jährlich einen Rundschreiben mit den Firmenbilanzen und wie die Gelder investiert wurden, z.B: kauf eines Fischerhauses mit Boot zur freien Verfügung für die Angestellten oder meine Familie wurde ein Haus für 2,4 Mio NOK gekauft und wir zahlen an das Unternehmen die Raten. Das Land bedankt sich an die Arbeiter damit, dass am Weihnachten die Steuern halbiert werden. An Feiertagen darf man nicht arbeiten und somit auch kein Geld verdienen, es wird aber trotzdem von den Arbeitsgebern der volle Tagesausfall bezahlt. Fast jeder Arbeiter hat seinen eigenen Firmenwagen. Arbeitsbeginn 07:00 Uhr – 15:00 Uhr und am Wochenende steht hier ganz für die Familie.
Leben, Land und Leute: klar ist es einer mit den teuersten Ländern der Welt, aber ständig gibt es Ausverkauf und Sonderangebote. Über das Land braucht man eigentlich nicht viel sagen, denn wer einmal hier war, weiß wie schön es ist. Die Menschen sind am Anfang zurückhaltend und beobachten dich, aber wenn erst einmal das Eis gebrochen ist, erlebst du wie hilfsbereit und lieb sie sind. Von Montag-Freitag arbeiten sie und am Wochenende lassen sie es richtig krachen, denn sie wollen das Leben genießen. Die Namen der Mahlzeiten klingen komisch und sehen dementsprechend aus, aber das meiste schmeckt hervorragend.
Bereut haben wir nichts, nur das wir den Schritt nicht viel früher gewagt haben und im nächsten Leben wollen wir als Nordmänner geboren werden.
Goodbye-Deutschland und ha det bra,
Manuela, Reneé-Ann, Massimo, Gerhard und Jason